Kind und Karriere (oder auch nicht)

Bei Papaleaks gibt es einen schönen Artikel zum medialen Umgang mit dem Thema „Kind oder Karriere“. Und wie ich finde, hat er vollkommen recht! Denn eins haben alle Zeitungsberichte (sowohl online als auch auf totem Holz) gemeinsam: In den überwiegenden Fällen handelt es sich um Akademikerfamilien! Vor etwa 3 Wochen in der Rheinischen Post gelesen (konnte den Artikel online leider nicht finden):

Er war studierter Kunsthistoriker, sie etwas ähnliches. Hatten 1 Kind und überlegten, von der Düsseldorfer Innenstadt (= sehr teure Wohngegend) nach Düsseldorf-Angermund (auch sehr teure Gegend) zu ziehen. Wegen Garten und so. Natürlich alles mit Ganztagsbetreuung, etc.

Dazu passt der verlinkte Artikel bei Papaleaks auch wunderbar.. aber das geht tatsächlich an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen komplett vorbei. Da muss um Kindergartenplätze gekämpft werden und Arbeitszeiten angepasst werden. Ein Beispiel gefällig?

Meine Frau arbeitet als examinierte Altenpflegerin im Schichtdienst, ich als Bürokaufmann bin von 9 bis 18 Uhr im Büro. Als die Geburt unserer Tochter näher rückte, mussten wir recht früh die zukünftige Zeitplanung organisieren. So arbeitet meine Frau in der Woche nur noch in der Frühschicht von 6 bis 14 Uhr und hat ihre Arbeitszeit auf 75 % reduziert. Nur so konnten wir die Abholzeiten bei der Tagesmutter realisieren (Duisburg hat es nicht so mit U3 Plätzen, zumindest nicht vor 2 Jahren). Lediglich am Wochenende arbeitet sie normal. Für mich bedeutet das aber natürlich, das ich die Frühschicht übernehmen muss. Immer. Für mich im Grund kein Problem, aber für meinen Arbeitgeber werde ich dadurch extrem unflexibel. Auch wenn darüber nicht offen gesprochen wird: 3 Tage Lehrgang? 1 Woche in die Zentrale nach Tokyo? Für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Im Moment ist es ja auch so, dass unsere Familie mindestens 60 km entfernt wohnt und auch jeder selbst arbeiten muss. Unterstützung kann ich hier verständlicherweise nicht immer bekommen. Meine Frau musste ihren Posten als stellvertretende Wohnbereichsleiterin räumen (gut.. den will sie auch nicht wieder haben).

Natürlich finden wir es gut, dass unsere Arbeitgeber überhaupt in der Lage sind, uns diese Arbeitszeitmodelle anzubieten, aber KARRIERE können wir beide vergessen. Aber wie sagt man uns ab und zu: „Das habt ihr euch ja auch freiwillig ausgesucht“. Stimmt zwar, aber von den Medien wird uns ein anderes Bild vorgegaukelt: „Guck dir mal hier die Manager an. Super erfolgreich mit 3 Kindern.“

Nachdem wir in den letzten 2 Jahren so etwas wie einen „Alltag“ etablieren konnten, wird der jetzt kurzfristig wieder durcheinander geworfen, seitdem Tinkerbell in den Kindergarten geht. Die Betreuungszeiten sind zwar länger (von 8 bis 15 Uhr), aber nicht in den ersten 1 – 1,5 Wochen. Denn die Erzieher möchten die Kinder am Anfang nicht überlasten. Daher endet die Betreuungszeit vorerst um 12. Also mache ich momentan Home Office und fahre nachmittags ins Büro, wenn meine Frau zu Hause ist. Sie arbeitet jetzt nämlich endlich wieder Vollzeit und kommt erst um 14.30 Uhr nach Hause. Morgen nehme ich Tinkerbell sogar für eine Stunde mit zur Arbeit und meine Frau holt sie dort ab. Es geht halt während dieser Einführungsphase nicht anders. Hoffentlich hat das bald ein Ende.

Ich hoffe, dass sich danach möglichst schnell wieder ein Alltag herausbildet, bevor wir im Winter in unser Haus einziehen, das auch noch saniert werden muss.

Fazit: Kind + Karriere geht tatsächlich nur über Geld.. Frauen, bzw. Familien mit Partnern in Managerpositionen können da absolut kein Vorbild für die Mittelschicht sein!

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2 Gedanken zu „Kind und Karriere (oder auch nicht)

  1. Du hast ganz recht! (so wie Papaleaks auch). Was in Deinem Post auch sehr gut herauskommt: Am Ende ist Kind und Karriere bzw. Kind und Job einfach nur eines: eine Frage der Logistik – und natürlich auch des Geldes.

  2. Sehr interessanter Beitrag! Ein bloggender Papa, sehr gut! Niemand muss perfekt sein, doch die Bedingungen sollten da sein, dass man sich entscheiden kann, wie man Beruf und Kind unter einen Hut bekommt..

    Viele Grüße
    Suse

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